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Das Licht für das nächste Jahrtausend

Lichtspektakel bei "Jekyll & Hyde"

Die Bamberger Firma LIGHTEC GmbH sorgt beim Musical "Jekyll & Hyde" in Bremen durch ungewöhnliche und sensationelle Lichteffekte für Furore.

Seit über sechs Jahren liefert das Unternehmen Lichttechniken für renommierte Opern- und Theaterhäuser in ganz Europa, doch mit dem Bremer Projekt liegt eine Arbeit vor, die nach Aussage des Geschäftsführers Andre Hempel "den Rahmen aller bisher dagewesenen Lichtinstallationen sprengt".

In einem Plexiglastrichter entsteht durch sogenannte Slimlight Lines Leuchtstreifen ein phantastischer dreidimensionaler Effekt. Das Licht scheint aus dem Nichts zu kommen und wirkt unrealistisch und unerklärlich, dabei erscheint es angenehm und blendet nicht.Das ahnungslose Publikum glaubt an Laser, doch das Fachpublikum erkennt gleich, daß mit Laser solche Effekte nicht möglich wären. Für das von Johannes Leiacker (Bühnenbildner des Jahres 1996) entworfene Bühnenbild mit dem Lichtdesign von Hans Toelstede sollte das Bühnenbild mit der Beleuchtung verbunden werden - das Bühnenbild selbst sollte leuchten.

Doch was ermöglicht diesen besonderen Effekt?
Ein ca. 0,8 mm "dicker", bis zu 100 m langer und maximal 5 cm breiter Streifen, der scheinbar aus dem Nichts zu leuchten beginnt, ist für den Elektrolumineszenz genannten Effekt verantwortlich.

Die Fa. LIGHTEC GmbH installierte unter der Leitung des Bielefelder Dipl.-Ing. Thorsten C. Menzel sogenannte Elektrolumineszenz-Folien. Die Slimlight Leuchtfolien bestehen aus mehreren Schichten und sind in PE eingeschweißt. Zwischen zwei Elektroden befindet sich ein chemischer Stoff (Zinksulfid verunreinigt mit Kupfer), der auf hohe elektrische Felder durch Emission von Licht reagiert, d.h. er beginnt zu leuchten. Dadurch ist es möglich, die Slimlight Lines auf beliebige Länge zuzuschneiden, ohne einen Leistungsverlust hinnehmen zu müssen.

Die Entdeckung dieses Effekts wird George Destriau zugesprochen, der ihn 1936 im Labor von Mdm. Curie in Paris entdeckte. Zur Erzeugung der elektrischen Felder wird eine ungewöhnliche Versorgungsspannung benötigt. Die Fa. LIGHTEC GmbH ist die erste Firma in Deutschland, die eine voll funktionierende Ansteuerung entwickelt hat, die individuelle Anwendungen erlaubt. Slimlight Leuchtfolien sind aktive Lichtquellen mit den Eigenschaften eines indirekten Lichts, gleichbedeutend mit der Reflexion von Lichtstrahlen an einem idealen Körper, d.h. die sonst störende Schattenbildung entfällt. Gekrümmte Leuchtfolien verwirklichen einen dreidimensionalen Lichteffekt. Montiert man diese Folien auf Gegenstände, so scheint es, als begännen diese zu leuchten, was die Anwendung im Bereich der Treppenstufen- und Notbeleuchtung attraktiv macht.

Aber zurück zur Bühnentechnik. Mit Hilfe dieser Eigenschaften wurde in dem Bremer Musical ein Plexiglastrichter mit einer Portalöffnung von 13 mal 9 Meter und einer Tiefe von 17 Meter mit 2,5 Kilometern (!) Slimlight Lines Leuchtfolien ausgestattet. Die Leuchtbreite dieses Materials wurde im gesamten Projekt auf 1,3 cm festgelegt. Um die Tiefe des Trichters optisch zu vergrößern sollten die Slimlight Leuchtfolien von einem Punkt ausgehen und nach vorne an den Wänden, der Decke und dem Boden symmetrisch auseinanderlaufen. Im vorderen Bereich des Trichters wurden die Leuchtfolien im Boden eigefräst und mit Kunstharz vergossen, damit eine optimale Gewährleistung für einen mehrjährigen Betrieb garantiert werden konnte.

Doch damit nicht genug! Der Trichter besteht aus insgesamt vier Elementen, die man gegeneinander in verschiedene Richtungen fahren und sogar kippen kann. Im hinteren Bereich befinden sich an den Seiten neun Türen, die sich nach innen öffnen lassen. Auch öffnungen in der Decke, Boden und den Seitenwänden wurden mit Slimlight Lines bestückt. Insgesamt wurden fast 1000 Leuchtstreifen in das Bühnenbild eingearbeitet. Die Aufteilung auf die zur Verfügung stehenden 60 dmx Kanäle wurde vorher am Computer simuliert um eine optimale Ausnutzung der Lauflichtbewegungen in alle Richtungen zu erreichen. Dadurch wird eine komplexe Lichtsteuerung für beeindruckende Effekte ermöglicht. Lichtbewegungen in alle Richtungen, die pro Trichterelement individuell geschaltet werden können. Bewegte Vierecke die sich nach hinten verjüngen und dem Betrachter das Gefühl vermitteln, in die uneendliche Tiefe des Raumes hineingesogen zu werden.

Es entsteht ein Lichtschacht, der sich scheinbar endlos in den Bühnenhintergrund fortsetzt - ein mit Leuchtfolien illuminierter Strahlentunnel!

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