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Flaches Leuchten auf der EXPO 2000
Die Weltausstellung in Hannover ist unter anderem
angetreten, um neue Sichtweisen und Produkte der staunenden Welt
vorzustellen. Im Fall der Leuchtfolie Slimlight ist dieses Ziel
erreicht.
Die Könige der Welt gehen meistens über
rote Teppiche. König Kunde kann auf der Expo über einen
leuchtenden Teppich wandeln. Oder er sieht Leuchtkästen, die
so dünn sind, dass keine gewöhnliche Lampe dahinter Platz
hätte. Die Firma Lightec aus Bamberg hat auf der EXPO 2000
in Hannover einige Projekte mit einer flächenhaften Beleuchtungstechnik
realisiert: "Slimlight" ist eine Lampe in Folienform.
Sie ist dünner als ein Millimeter und läßt sich
wie Papier biegen. Sie leuchtet homogen ohne Blendpunkte, ist dimmbar,
zeigt keine Wärmeentwicklung und verbraucht wenig Energie.
Die Lebensdauer beträgt nach Angaben von Lightec zehntausend
Stunden. Die Leuchtfolien werden auf 50 Zentimeter breiten Rollen
bis zu 100 Meter Länge geliefert. Die Leuchtflächen lassen
sich in individueller Länge einfach von der Rolle abschneiden.
Selbst individuelle Formen sind möglich.
Eine chemische Panne mit Folgen
Die Elektroluminiszenzfolie Slimlight ist ein
sogenannter Lambertstrahler. Das bedeutet, daß die Leuchtdichte
der von der Oberfläche ausgehenden Strahlung von jeder Seite
betrachtet gleich ist. Das Licht strahlt aus der Folie fast einfarbig
und sehr gleichmäßig; damit ist es weithin sichtbar.
Dieser Effekt der Elektroluminiszenz ist von George Destriau entdeckt
worden. Er arbeitete 1936 im Labor der Kernphysikerin Marie Curie
in Paris und schließt eine neue Metallegierung an den Stromkreislauf
an, um deren Leitfähigkeit zu testen. Diese Legierung ist eigentlich
ein Panne, weil Destriau das Zinksulfid, das er ursprünglich
herstellen wollte, versehentlich mit Kupfer verunreinigt. Er wirft
das neue entstandene Material nicht weg, sondern testet es. Überraschenderweise
reagiert es auf den Strom, indem es zu leuchten beginnt. In den
folgenden Jahren entwickelt George Destriau dieses Material zu einem
serienreifen Produkt. Zunächst werden die Folien beim Militär
eingesetzt, denn das monochromatische Licht in Grün- und Blautönen
blendet in einem Flugzeugcockpit und Panzerfahrstände nicht.
Zudem strahlen die Folien keinen UV-Anteil ab und sind so augenschonend.
Die Lambertstrahler sind selbst durch Rauch und Wolken gut sichtbar.
Damit werden die Folien als Tragflächenbefeuerung eingesetzt.
Die Slimlight-Folie besteht in der heutigen Form
hauptsächlich aus vier Schichten, zwischen denen Strom fließt:
Die transparente Elektrode ist mit einem Metall beschichteter Kunststoff.
Dahinter liegt eine Schicht Leuchtpigmente aus Zinksulfid, zu dem
verschiedene Metalle wie Silber, Kupfer, Gold oder Mangan beigemengt
werden, die die Farbe des emittierenden Lichtes bestimmen. Durch
das Mischverhältnis der Beimengung werden die Farbtöne
von Blau bis Gelb erzeugt. Auf die Schicht der Leuchtpigmente wird
eine Isolationsschicht aufgebracht, die gleichzeitig als Reflektor
wirkt . Abschließend wird die untere Elektrode aus Aluminium,
Carbon oder Silberlack appliziert. Alle vier Schichten werden wasserdicht
in eine Schutzfolie gehüllt, damit die Slimlight fit für
den Ausseneinsatz ist. Im Moment bietet Lightec hauptsächlich
die Lichtfarbe Weiß und Grün-Blau an, andere Farbtöne
sind in der Entwicklung.
Vom Militär zu Kunst und Architektur
Als Abfallprodukt der Militärtechnik
wird die Elektroluminiszenzfolie nun auch in der Werbung und als
Hintergrundbeleuchtung von LCD-Bildschirmen eingesetzt. Für
größere Lichtflächen sind die Folien bislang nicht
genutzt worden, da es keinen Ansteuerungsmöglichkeiten gegeben
hat. Die herkömmlichen Schaltungen der Stromversorgung konnten
nicht präzise genug arbeiten, um große Flächen vollständig
und gleichmäßig zum Leuchten anzuregen. Mit einer neu
entwickelten Schaltungstechnik sind selbst beleuchtete Fassaden
zu realisieren. Der Hersteller Lightec sieht die neuen Einsatzgebiete
von Slimlight in Restauranteinrichtungen, im Messe- und Ladenbau
und als leuchtender Werbeträger. Die Folien strahlen das Licht
in einem Wellenbereich aus, das dem Empfindlichkeitsmaximum des
menschlichen Auges bei Nacht entspricht. Dadurch sind die Slimlight-Folien
die bei Nacht und schlechten Sichtverhältnissen am besten sichtbare
Lichtquelle. Damit sind sie gut für die Sicherheits- und Notbeleuchtung
einzusetzen. Das Material ist trittfest, so werden die Gehwege zu
Lichtflächen. Auf der Weltenschau in Hannover ist die Leuchtfolie
in verschiedenen Pavillons zu entdecken.
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